Sattelzug bestellen +33 7 70 08 40 31
Wissen

Neues Heu anfüttern — warum die Umstellung zwei Wochen braucht

Der Darm stellt sich nicht in einem Tag um. Ein Plan über vierzehn Tage — und die Anzeichen, dass es zu schnell ging.

Fütterung & Bedarf Veröffentlicht am 25.08.2026

Frisch gemähtes Gras in der Schwad, dahinter der Zettwender im Einsatz.

Ein Futterwechsel bei Kraftfutter wird selbstverständlich langsam gemacht. Beim Heu macht ihn fast niemand langsam — obwohl Heu 80 bis 100 Prozent der Ration ausmacht und damit der weitaus größere Eingriff ist.

Warum der Darm Zeit braucht

Die Verdauung von Raufutter findet im Dickdarm statt und wird von Mikroorganismen geleistet — Bakterien, Protozoen und Pilzen, die Zellulose aufschließen. Diese Population ist auf ein bestimmtes Substrat eingestellt: auf ein bestimmtes Verhältnis von Rohfaser zu löslichen Kohlenhydraten, auf eine bestimmte Halmstruktur.

Wechselt das Substrat abrupt, sterben Teile der Population ab, andere vermehren sich schneller als die Umgebung es puffern kann. Die Folge sind Gasbildung, pH-Verschiebung und im ungünstigen Fall der Freisetzung von Endotoxinen. Praktisch heißt das: Kotwasser, weicher Kot, Blähungen — und bei empfindlichen Tieren eine Kolik.

Der Umbau der Darmflora dauert zehn bis vierzehn Tage. Das ist keine Vorsichtsempfehlung, sondern die biologische Zeitkonstante.

Der Plan

TageAnteil neues HeuAnteil altes Heu
1 bis 325 %75 %
4 bis 750 %50 %
8 bis 1175 %25 %
ab 12100 %

Gemischt wird in derselben Vorlage, nicht als getrennte Mahlzeiten — sonst frisst das Pferd das bevorzugte zuerst und der Anteil stimmt nicht.

Wann es besonders wichtig ist

Nicht jeder Wechsel ist gleich groß. Kritisch wird es, wenn sich mehr als eine Größe ändert:

  • Erster auf zweiten Schnitt oder umgekehrt — andere Struktur, anderer Zuckergehalt.
  • Von Standardheu auf zuckerarm. Wird oft als Sofortmaßnahme bei Hufrehe gemacht; im akuten Schub ist das begründet, sonst nicht.
  • Von Heu auf Heulage oder zurück. Der größte denkbare Wechsel — hier eher drei Wochen einplanen.
  • Neue Herkunft. Anderer Standort, andere Artenzusammensetzung, andere Mikroflora auf dem Material selbst.

Weniger kritisch, aber nicht folgenlos: eine neue Charge derselben Sorte vom selben Betrieb. Auch dort lohnt eine Woche Übergang.

Die Anzeichen, dass es zu schnell ging

  • Kotwasser — Flüssigkeit, die getrennt vom Kot abgeht. Das häufigste Signal.
  • Weicher, ungeformter Kot oder plötzlich viel mehr Kotmenge.
  • Aufgezogener Bauch, häufiges Wälzen, Flankenblick.
  • Verweigerung — das Pferd frisst das neue Heu einfach nicht, siehe wenn das Pferd sein Heu nicht frisst.

Bei den ersten drei Punkten zurück auf die vorherige Stufe und langsamer weitermachen. Bei anhaltender Kolik-Symptomatik: Tierärztin.

Praktisch: rechtzeitig kaufen

Der häufigste Grund für einen abrupten Wechsel ist ein leeres Lager. Wer die letzte Fuhre erst bestellt, wenn drei Ballen übrig sind, hat keine Überlappung mehr — und muss von einem Tag auf den anderen wechseln.

Rechnen Sie beim Nachkauf zwei bis drei Wochen Vorlauf und eine Restmenge von rund zehn Prozent für die Übergangszeit ein. Wie viel Lagerplatz das braucht, ist meist der begrenzende Faktor.

Weil unsere Chargen einzeln dokumentiert sind, sehen Sie im Halmpass vorher, wie stark sich eine neue Partie von der vorherigen unterscheidet — und können die Übergangszeit danach bemessen statt zu raten.

Weiterlesen

Alle 10 Artikel zu Fütterung & Bedarf