Eine Heuanalyse ist ein Blatt mit sechs bis zehn Zahlen. Die meisten Pferdehalter bekommen so ein Blatt selten zu sehen, und wenn doch, fehlt der Maßstab. Hier ist er.
Trockenmasse (TM)
Alle anderen Werte beziehen sich hierauf. Gutes Heu liegt bei 86 bis 91 Prozent TM — das entspricht 9 bis 14 Prozent Restfeuchte. Unter 85 Prozent TM wird die Lagerfähigkeit kritisch.
Wichtig beim Vergleichen: Werte werden entweder „in der Trockenmasse” oder „in der Frischmasse” angegeben. Dieselbe Probe ergibt je nach Bezug unterschiedliche Zahlen. Seriöse Berichte nennen den Bezug; wo er fehlt, ist die Angabe wertlos.
Rohfaser (XF)
Der Strukturwert. Rohfaser hält den Darm in Bewegung, verlängert die Kauzeit und puffert Magensäure.
| Rohfaser in TM | Bedeutung |
|---|---|
| unter 22 % | sehr früh geschnitten, energiereich, wenig Struktur |
| 24 bis 28 % | ausgewogen, für die meisten Pferde passend |
| 28 bis 32 % | strukturreich, spät geschnitten, gut für Leichtfuttrige |
| über 34 % | sehr grob, Verwertbarkeit sinkt |
Rohprotein (XP)
Für Pferde selten der Engpass. 8 bis 12 Prozent decken den Erhaltungsbedarf bequem. Höhere Werte deuten auf einen frühen Schnitt oder eine gedüngte Fläche und sind für Zuchtstuten und Jungpferde interessant, für ein leichtfuttriges Pony eher nicht.
Werte unter 6 Prozent sind ein Hinweis auf sehr späte, überständige Ware.
Zucker (WSC) und Fruktan — der wichtigste Block
WSC steht für wasserlösliche Kohlenhydrate und fasst Einfach-, Zweifachzucker und Fruktan zusammen. Das ist die Zahl, wegen der die meisten eine Analyse machen lassen.
| WSC in TM | Für wen |
|---|---|
| unter 8 % | akute Hufrehe, schwere EMS-Fälle |
| 8 bis 10 % | Zielkorridor für rehegefährdete Pferde |
| 10 bis 15 % | unauffällige Freizeitpferde |
| über 15 % | nur für stoffwechselgesunde Pferde mit Arbeit |
Fruktan wird oft separat ausgewiesen. Für die Fütterungsentscheidung zählt in erster Linie der WSC-Summenwert — Fruktan ist ein Teil davon, kein zusätzlicher.
Energie (ME oder DE, in MJ)
Meist als verdauliche Energie in MJ je kg TM angegeben. Heu liegt zwischen 7 und 9 MJ. Ein Erhaltungspferd von 600 kg braucht rund 63 MJ täglich, was mit zehn Kilogramm 8-MJ-Heu praktisch gedeckt ist — deshalb ist Heu bei den meisten Freizeitpferden rechnerisch die gesamte Ration.
Rohasche (XA)
Der mineralische Rest nach dem Veraschen. 6 bis 9 Prozent ist normal. Deutlich höhere Werte bedeuten fast immer Erdanhang — bodennah gemäht oder auf nassem Grund gewendet. Erde im Heu ist der stille Treiber hinter Sandkoliken und einem Teil der Staubbelastung.
Was eine Analyse nicht leistet
Sie ist eine Momentaufnahme einer Probe. Repräsentativ wird sie nur durch die Probenahme: mindestens zehn bis zwanzig Einstiche über die ganze Partie, gemischt, dann erst ins Labor. Eine Handvoll aus einem Ballen sagt über eine Charge von vierzig Ballen wenig.
Und sie sagt nichts über Schimmel, Fremdbesatz oder Giftpflanzen — dafür braucht es weiterhin Augen und Nase.
Wie wir es handhaben
Jede Charge geht vor dem Verkauf ins Labor. Rohfaser, Rohprotein, WSC, Fruktan, Energie und Staubstufe stehen im Halmpass, mit Erntedatum, Schlag und Prüfdatum — auch dann, wenn eine Charge schlechter ausfällt als die davor. Eine Analyse, die nur veröffentlicht wird, wenn sie gefällt, ist Werbung.